Zions Camp – Ein abrahamischer Test
Als im Jahr 1834 der „Zions Camp“ aufbrach, war es kein gewöhnlicher Marsch. Rund 200 Männer und auch Frauen und Kinder machten sich mit Joseph Smith auf den Weg von Kirtland nach Missouri (Ein Trek von über 1500 km!) – in der Hoffnung, den verfolgten Heiligen dort zu helfen. Sie liefen bis zu 40 Meilen am Tag, sammelten Tau am Morgen, weil Wasser fehlte, und litten Hunger, Müdigkeit und Krankheit. Aber war es wirklich eine Armee? Nein – es war eine Prüfung.
Der Herr machte klar, dass Zion nicht durch Gewalt gerettet wird. Schon in LuB 101:55 sagte er:
„Die ganze Stärke meines Hauses wird aufgeboten werden, um mein Volk zu retten.“
Aber diese Stärke lag nicht in Muskete und Schwert, sondern in Heiligung, Geduld und Opferbereitschaft. Der Zions Camp war ein abrahamischer Test – die Frage lautete: Würden die Heiligen bereit sein, einen harten Weg zu gehen, auch wenn das Ziel unklar war?
Kein Kampf, sondern Charakterbildung
Orson F. Whitney fasste es so:
„Kein Schmerz, den wir erdulden, keine Prüfung, die wir durchmachen, ist vergebens. … Alles, was wir erleiden und ertragen, vor allem, wenn wir dabei geduldig sind, formt unseren Charakter, macht unser Herz rein, erweitert uns die Seele und macht uns liebevoller und wohltätiger, würdiger, Kind Gottes genannt zu werden.“
Das eigentliche Ziel des Zions Camps war nicht, Land zurückzuerobern, sondern Menschen zu formen. Viele zukünftige Führer der Kirche – Apostel, Propheten, Bischöfe – sammelten hier Erfahrungen, die sie prägten.
Die eigentliche Erlösung Zions
In LuB 105 erklärt der Herr, warum Zion noch nicht erlöst werden konnte:
„Sie haben nicht nach meinem Gesetz gehandelt und die Armen nicht mit ihrer Habe gespeist … deshalb sind sie nicht würdig, Zion zu erlösen.“ (LuB 105:2–3)
Es ist leicht, Männer zu finden, die kämpfen können. Aber es ist schwer, Männer und Frauen zu finden, die bereit sind, sich zu heiligen, den natürlichen Menschen abzulegen und die Armen zu versorgen. Darum verschob der Herr die Erlösung Zions – „eine kleine Weile“ (LuB 105:9).
Henochs Zion brauchte 365 Jahre, bis es bereit war. Unsere 196 Jahre seit 1834 zeigen: Wir sind noch mitten in diesem Prozess.
William O. Nelson beschrieb es so:
„Die Erlösung Zions umfasst mehr als einen Ort, mehr als eine Stadt oder einen Tempel. … Sie erfordert, dass man sein Herz und seine Seele durch den Heiligen Geist von allen unchristlichen Motiven reinigt; … es bedeutet, bereitwillig alles zu opfern, was man hat, um des Reiches Gottes willen; … es erfordert, ein heiliger Mensch zu werden.“
Die Armen nicht vergessen
In Abschnitt 104 ermahnt der Herr die Kirche:
„Es ist mein Wille, dass ihr die Armen erhöht, indem ihr die Reichen erniedrigt.“ (LuB 104:16)
Und er sorgt auch für Mittel, Schulden zu begleichen – oft durch Menschen wie John Tanner, der sein Vermögen selbstlos einsetzte.
Fazit: Unsere Generation und Zion
Die Botschaft von Zions Camp lautet: Zion wird nicht mit Gewalt, sondern durch Heiligung gebaut. Präsident Russell M. Nelson sagte:
„Uns bietet sich die großartige Gelegenheit, das Volk zu werden, das Gott braucht.“
Die Erlösung Zions ist weniger ein militärisches oder politisches Projekt, sondern ein geistiges. Sie beginnt in unseren Herzen, in unserer Bereitschaft, zu vergeben, zu opfern und uns zu heiligen.
