Gott macht sich keine Sorgen
Wenn wir die Abschnitte 111–114 im Buch Lehre und Bündnisse lesen, begegnen wir einer spannenden Mischung: Propheten, die Fehler machen, Heilige, die unter Druck stehen, und eine Kirche, die lernt, was es bedeutet, auf Gott zu vertrauen.
111 – Schulden, Torheiten und Schätze
Im Jahr 1836 stand Joseph Smith vor einer riesigen Herausforderung: Der Bau des Tempels in Kirtland hatte hohe Schulden verursacht. In dieser Situation führte ihn eine Mission nach Salem, Massachusetts, auf der Suche nach finanzieller Hilfe.
Der Herr tadelte die Torheit, dort nach Schätzen zu suchen, aber er verwarf den Propheten nicht. Stattdessen versprach er:
„Ich habe Schätze in dieser Stadt, und für künftige Zeiten sollt ihr hier ein Werk verrichten.“ (LuB 111:2)
Diese Verheißung erfüllte sich Jahre später durch Missionare wie Erastus Snow, die in Neuengland großen Erfolg hatten.
Die Lektion? Ein Prophet ist kein Hellseher, der alle wirtschaftlichen Probleme löst. Er ist jemand, der uns trotz eigener Schwächen den Weg zu Christus weist.
Brigham Young sagte in einer Zeit der Kritik:
„Joseph ist ein Prophet. … Ihr könnt ihn beschimpfen und verleumden, wie ihr wollt, aber ihr zerstört nicht die Berufung des Propheten, sondern nur eure eigene Verbindung zu Gott.“
Was ist ein Prophet?
Ist ein Prophet unfehlbar? Trifft er nur richtige Entscheidungen? Offensichtlich nicht. Aber Propheten weisen uns auf Christus hin – und bereiten uns auf kommende Zeiten vor.
Präsident Russell M. Nelson erinnerte daran, wie er im April 2020 vor fast leeren Bänken sprach:
„Als ich im Herbst 2019 sagte, dass diese Konferenz ‚denkwürdig‘ sein würde, wusste ich nicht, dass ich sie einmal vor weniger als zehn Menschen halten würde.“
Er wusste nicht, dass eine Pandemie kommen würde – aber er hatte uns vorbereitet: mit „Komm, folge mir nach“, mit der Betonung des Lehrens des Evangeliums im Zuhause und der Betreuungsarbeit.
112 – Thomas B. Marsh und der Milchstreit
Thomas B. Marsh war der erste Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel. Er hatte eine große Berufung – doch er fiel ab. Nicht wegen einer großen Lehre, sondern wegen eines kleinen Streits seiner Frau mit einer Nachbarin über Milch.
Später gestand Marsh:
„Ich wurde eifersüchtig auf den Propheten … und dann sah ich auf einmal alles anders und schaute unentwegt nach dem Bösen aus. … Der Geist des Herrn hatte mich verlassen, und ich war verblendet.“
Am Ende verlor er seine Stellung – und er wusste es:
„Der Herr ist gut ohne mich ausgekommen und hat durch mein Weggehen nichts eingebüßt. Doch was habe ich dabei verloren!“ (LuB 114:2)
Statt Marsh führten später Brigham Young, John Taylor und dann Wilford Woodruff die Kirche als Propheten.
Fazit: Gott macht sich keine Sorgen
Ob bei finanziellen Krisen, falschen Erwartungen oder persönlichen Schwächen – Gott macht sich keine Sorgen. Er kennt den Weg. Propheten sind nicht perfekt, aber sie sind berufen, uns den Himmel zu öffnen.
Die Frage ist nicht, ob Gott seine Verheißungen hält, sondern ob wir mit ihm verbunden bleiben. Wie Thomas Marsh zeigt: Der Herr kommt ohne uns zurecht – aber wir nicht ohne ihn.
