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Der unermüdliche Hirte | LuB 77–80

Wenn wir die Abschnitte 77 bis 80 im Buch Lehre und Bündnisse betrachten, treten zentrale Themen unseres Glaubens in den Vordergrund: Führung durch den Herrn, Offenbarung, geistige und zeitliche Fürsorge sowie das Prinzip der persönlichen Vorbereitung. Diese Offenbarungen sind keine bloßen historischen Dokumente – sie sprechen direkt zu unserem Leben heute.

Der gute Hirte – Führung in allen Bereichen

Christus wird oft als der gute Hirte beschrieben. In LuB 77–80 erkennen wir, dass seine Führung allumfassend ist: geistlich, zeitlich und organisatorisch. Er lässt uns nicht im Dunkeln, sondern gibt uns durch lebendige Offenbarung Richtung. Präsident Joseph F. Smith schrieb einst:

„Es war immer schon eine grundsätzliche Lehre der Heiligen der Letzten Tage, daß man einer Religion, die nicht die Kraft hat, die Menschen zeitlich zu erretten und sie hier erfolgreich und glücklich zu machen, auch nicht zutrauen kann, sie geistig zu erretten und sie im nächsten Leben zu erhöhen.“

Offenbarung – nicht abgeschlossen, sondern lebendig

Ein zentrales Thema in LuB 77 ist das Verständnis von Offenbarung. Die Schriften – ja, auch das Buch Offenbarung – sind nicht das Ende göttlicher Kommunikation, sondern der Anstoß für persönliche Offenbarung. Joseph Smith sagte einmal, es sei eines der klarsten Bücher, die je von Gott diktiert wurden. Was Johannes sah, sah er im Himmel – mit himmlischen Augen.

Und doch fällt es uns schwer, solche Visionen zu verstehen. Es ist, als wolle man jemandem das Meer beschreiben, der es nie gesehen hat.

Die Frage ist: Sind wir wie Laman und Lemuel?

In 1. Nephi 15:7–9 lesen wir, dass sie die Worte ihres Vaters nicht verstanden und den Herrn auch nicht befragt hatten. Ihre Haltung war: „Denn der Herr tut uns so etwas nicht kund.“ Doch Nephi stellt klar: Wir müssen Fragen stellen – und dann den Mut haben, sie dem Herrn vorzulegen.

Gerade das Buch Offenbarung lädt uns dazu ein, Fragen zu stellen. In Vers 13 und 14 sehen wir, dass der Tag in der Nacht beginnt. Und in Vers 15 wird auf zwei Zeugen hingewiesen – ein scheinbar eindeutiges Zeichen. Aber erkennen wir solche Zeichen überhaupt noch, wenn wir sie sehen?

Das Gesetz der Weihung – praktisch angewendet

In LuB 78–79 finden wir Hinweise auf das Gesetz der Weihung. Oft wird es mit der Vereinigten Ordnung verwechselt – doch diese war nur eine spezifische Umsetzung. Das Prinzip bleibt: alles, was wir haben, dem Herrn weihen.

In Vers 5–7 wird klar, dass das Vorratshaus Teil dieser Umsetzung ist. Die Kirche lehrt drei einfache, aber mächtige Grundprinzipien finanzieller Selbstständigkeit:

  1. Innerhalb unserer Verhältnisse leben
  2. Schulden vermeiden
  3. Für Notzeiten vorsorgen

Joseph in Ägypten bereitete das Volk auf sieben magere Jahre vor. Heute sind wir ebenso aufgerufen, Vorräte zu speichern und Rücklagen zu bilden. Wie Elder Bednar sagte:

„Ich denke, es wäre unklug und unvernünftig, keine Rücklage zu haben.“

Menschen, die hungern, denken nicht über langfristige Themen wie den Umweltschutz nach. Geistige Offenbarung gedeiht dort, wo die grundlegenden Bedürfnisse gedeckt sind.

Dankbarkeit – das Herzstück geistiger Reife

In LuB 78:17–19 spricht der Herr davon, dass wir wie Kinder sind – abhängig von der Perspektive des Vaters. Und wie Kinder sollen wir mit Dankbarkeit annehmen, was Er gibt. Elder Gary B. Sabin sagte sinngemäß:

„Das Leben ist ein einziges Wunder, wenn man nichts erwartet und alles zu schätzen weiß.“

Dankbarkeit verändert unser Herz. Sie macht uns empfänglich für Führung – sei es geistlich oder zeitlich.

Missionsarbeit – Berufung kommt vor dem Ort

In LuB 80 sehen wir ein scheinbar einfaches Muster: Ruf zur Mission, dann die Zuteilung des Ortes. Erst kommt die Vollmacht, dann der Einsatzort. Dies lehrt uns ein wichtiges Prinzip: Der Herr beruft uns zuerst zum Dienst, und dann zeigt Er uns, wo wir dienen sollen.


Fazit

Diese Abschnitte aus Lehre und Bündnisse erinnern uns daran, dass der Herr uns in allen Bereichen unseres Lebens führt. Er spricht heute – durch persönliche Offenbarung, durch lebendige Propheten, durch die Heilige Schrift. Die Frage ist nicht, ob Er spricht, sondern ob wir zuhören, fragen und bereit sind, zu folgen.

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