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Schätze der Erkenntnis | LuB 89–92

Manche Orte sind nur auf bestimmte Arten und nach entsprechender Vorbereitung zu erreichen. Wer in den Bergen wandert, weiß: Ohne Proviant, gutes Schuhwerk und genügend Ausdauer bleibt der Gipfel unerreichbar. Auch im geistigen Leben gibt es diese Wege.

Der Philosoph Adam Miller formuliert es so:

„Unsere Verordnungen ordnen unsere Wünsche und schaffen in unserem Leben Raum für die Geheimnisse des Reiches Gottes.“

Genau darum geht es in den Offenbarungen LuB 89–92: um geistige Vorbereitung, um Warnungen, aber auch um Verheißungen von Erkenntnis und himmlischem Vertrauen.


Das Wort der Weisheit – mehr als ein Gesundheitsprogramm

Wenn man uns Heilige der Letzten Tage von außen betrachtet, ist es oft das Wort der Weisheit, das am schnellsten auffällt. Kein Alkohol, kein Kaffee, kein Tabak – und das schon seit 1833.

Die historische Situation war konkret: In der Schule der Propheten wurde Tabak gekaut und geraucht. Emma Smith, die für die Reinigung der Räume zuständig war, beschwerte sich. Daraufhin kam diese Offenbarung.

Doch es wäre zu kurz gedacht, das Wort der Weisheit nur als eine Art frühes Anti-Raucher-Manifest zu sehen. Apostel und Propheten haben den tieferen Sinn immer wieder betont:

  • Boyd K. Packer: „Unser Geist und unser Körper sind so verbunden, dass unser Körper ein Werkzeug unseres Sinnes und die Grundlage unseres Charakters wird.“

Das Wort der Weisheit ist also nicht nur eine Liste von „Dos & Don’ts“. Es ist ein Schutzwall gegen Abhängigkeiten, die uns unfrei machen könnten.


Freiheit und Maß

„Die Dosis macht das Gift.“ Dieser alte Satz gilt auch hier. Das Wort der Weisheit warnt uns vor Substanzen und Praktiken, die uns die Entscheidungsfreiheit rauben könnten. Gefangenschaft beginnt dort, wo wir nicht mehr frei entscheiden können.

Darum schützt uns das Gebot nicht nur vor Krankheit, sondern auch vor Gesellschaften, Gewohnheiten und Menschen, die uns schaden könnten. Es schafft Raum für ein freies, zielgerichtetes Leben – und damit für Gott.


Die Verheißung: Schätze der Erkenntnis

Die vielleicht erstaunlichste Zusage im Wort der Weisheit lautet:

„Alle, die dieses Wort und Gebot empfangen und befolgen, … werden Schätze der Erkenntnis finden, ja verborgene Schätze.“ (LuB 89:19)

Es geht also nicht nur um Gesundheit, sondern auch um geistige Klarheit. Wir sollen laufen und nicht ermatten – körperlich wie geistig.

Elder Neal A. Maxwell hat es eindrücklich beschrieben:

„Wir können nicht ernsthaft beschreiben, wohin wir als Kirche noch gehen müssen und was wir noch tun müssen, ohne ein Gefühl immenser Entfernung zu erzeugen.“

Genau dafür brauchen wir diese Schätze der Erkenntnis: um Schritt für Schritt voranzugehen, mit Ausdauer, ohne zu ermüden. Wir können Schätze wie Vertrauen in Gottes Gegenwart, Zuversicht trotz widriger Umstände und ein festes Herz empfangen.

Der Herr verheißt Joseph Smith in Abschnitt 90:37:

[Zion] wird nicht von seinem Platz entfernt werden. Ich, der Herr, habe es gesagt. Amen.

Dies war ein wichtiger Schatz der Zuversicht für den Propheten, vor allem im Hinblick auf all die Verfolgung und Vertreibung, die den Heiligen in Missouri unmittelbar bevorstand.

Fazit

LuB 89–92 zeigt uns, dass geistige Erkenntnis nicht vom Himmel fällt, sondern vorbereitet wird – durch heilige Gewohnheiten, durch Maßhalten, durch Freiheit von Abhängigkeiten.

Das Wort der Weisheit ist weniger eine Einschränkung als vielmehr eine Einladung: Raum zu schaffen, damit Gott uns Schätze der Erkenntnis schenken kann – Schätze, die uns stark machen, wenn wir laufen, und klar, wenn wir sehen.

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